Warum Spezialitätenkaffee aus Ecuador?

July 11, 2022
Business

Warum Spezialitätenkaffee aus Ecuador?

Den ersten Job, den ich annahm, als ich nach Deutschland kam, war die Betreuung von Gästen auf der Hannover Messe. Eingezwängt in ein enges Kostüm, zehn Stunden aufrecht vor einer Galerie stehend oder einen vollen Marathon in hohen Absätzen laufend, abends um 23.Uhr mit geschwollenen Füßen und leerem Magen ins Bett fallend, nur um am nächsten Morgen wieder um 8 Uhr in denselben hohen Absätzen den nächsten Marathon zu bestehen. Reden, lächeln, laufen, dolmetschen, verhandeln in einem Umfeld, das so laut und chaotisch ist, wie ein Einkaufszentrum am Freitagnachmittag. Sechs Jahre lang habe ich das gemacht. Und auch wenn nicht alles Schweiß und Tränen war, so schwor ich mir doch, nie wieder auf einer Messe zu arbeiten.

Fünfzehn Jahre später schlendere ich dann doch über die "World of Coffee 2022" in Mailand und bin sofort begeistert. Die sterilen, hohen Wände der Hallen, das künstlich grelle Licht der Scheinwerfer, der nervöse Strom aus tausenden Stimmen, klirrenden Flaschen und das dumpfe Getrappel hunderter vom Teppichboden gedämpfter Schritte – alles war mir nur allzu gut vertraut. Nur eines war anders: Diesmal war ich nicht an einen Stand gebunden und ich konnte ungezwungen dieses kleine Universum aus Röstern, Importeuren, Produzenten, Ingenieuren, Baristas und Verkostern frei erkunden. Ich habe viele wunderbare Menschen kennengelernt, unermüdlich gelernt, erforscht und natürlich auch selbst Proben unseres Kaffees verteilt.

MishkiYaku Coffee at WOC Milan - 2022

Messen sind laut. Messen sind chaotisch. Messen sind erschöpfend. Doch an keinem Ort sind für einen begrenzten Zeitraum so viele Menschen mit einem gemeinsamen Interesse versammelt. Hier an diesem Ort hatten 20.000 Menschen auf ca. 10.000m2 3 Tage lang nur eines im Sinn: Kaffee!

Ich hatte für diesen Trip ein paar unserer kleinen „Vögelchen“ im Gepäck: Proben unseres Sidras und Typica mejorada. Einen ganzen Reisekoffer voller Probepäckchen hatte ich mitgebracht und nach drei Tagen war nichts mehr da. Dafür habe ich viel Lob erfahren und viel Begeisterung gespürt. Alle waren beeindruckt vom wunderbaren Geschmack, den ausgewogenen Noten, den fruchtigen und blumigen Aromen. Ich weiss, dass mein Kaffee gut ist und dass er den hier versammelten Liebhabern gefallen würde. Was mich verblüffte, waren die vielen erstaunten Gesichter als ich sagte, wo mein Kaffee angebaut wird. Ecuador? Dass aus diesem Land ein solcher Kaffee kommen sollte, sorgte bei den allermeisten für Überraschung! Auch gab es nur zwei oder drei Aussteller, die überhaupt Kaffee aus meinem Land angeboten hatten. Dies bestärkte mich in meinem Wunsch, ecuadorianischen Spezialitätenkaffee nach Europa zu bringen.

Röstereien und Interessenten an MishkiYaku Coffee haben mich gefragt, was denn den ecuadorianischen Kaffee so besonders macht. Es sind die Menschen, die ihn zu etwas Besonderem machen, die Geschichte hinter jeder geernteten Bohne, die Geschichte jedes geschützten Kolibris, die Geschichten der Frauen, die hart auf den Plantagen arbeiten.

In Ecuador wird in fast allen Provinzen und fast das ganze Jahr über Kaffee angebaut. Es ist die Lage, das Klima, die Böden, die Art des Anbaus und der Produktion, die diese Bohnen ausmachen. Es ist die Liebe, die jeder Beteiligte für sein Land hegt; für seine Kultur – die gestohlen, verkauft, vergessen, wiederentdeckt wurde. Eine Kultur, die wieder in Bewegung gekommen ist, die sich fortwährend entwickelt und im Aufschwung befindet.

Ecuadorianischer Kaffee ist Teil der Landesgeschichte. Er ist wie eine kollektive Erinnerung, die in der Familie geteilt wird. Es ist ein Kaffee zum Entdecken, zum Fühlen, zum Träumen: von uralten Wäldern, endlosen Stränden und in den Himmel aufragenden Bergen.

Am 28. Juni kehrte ich nach Berlin zurück, fiel ins Bett und schlief drei Tage lang. Ja, Messen sind immer noch laut, chaotisch und erschöpfend. Meine Ohren summten, an den Füßen hatte ich Blasen. Doch ein wohliges Gefühl, etwas vollbracht zu haben breitete sich bald nach meiner Rückkehr in mir aus und ich weiss mit Sicherheit, dass ich im kommenden Jahr wieder zur WOC fahren werde.

EvyEche

Das könnte Sie auch interessieren:

No items found.